Die Lutherin – ein Bericht

Von Böhlen über Lippendorf, Kieritzsch, Neukieritzsch nach Lobstädt unterwegs – ein großes Dankeschön an Hanka Pabst und Sabine Raabe für den schönen Bericht

Am Samstag, 6. Mai 2017 war es soweit. Am Bahnhof Böhlen trafen sich mit Kind und Kegel um die 30 Teilnehmer, nachdem sie per Fuß, PKW oder per Bus und Bahn zur erstmals organisierten Lutherin-Wanderung angereist kamen. Durch den Aufruf der Sportfreunde und des Tourismusvereins Leipziger Neuseenland zur 7-Seen-Wanderung 2017 schon vorinformiert waren doch alle sehr gespannt, was sie auf der 15 km langen geführten, thematischen Wanderung „Die Lutherin – Katharina von Bora“ erwarten würde. Nachdem jeder seine Marschverpflegung und das „Trostpflaster“ von der Wanderleiterin Hanka Pabst entgegen genommen hatte, gab es eine herzliche Begrüßung durch die „Lutherin“ selbst (alias Susan Graichen) und die Vertreterin der Veranstalter Sabine Raabe.

Kurz nach 9:00 Uhr ging es endlich auf Tour. Das Wetter zeigte sich anfangs noch etwas neblig und trüb – dennoch waren die Wanderfreunde gut gelaunt und sehr interessiert. Nachdem sie den ehemaligen Standort des Geburtshaus der am 29.01.1499 geborenen Katharina von Bora erreicht hatten, ging es vorbei am heutigen flächenmäßig größten sächsischen Industriestandort Böhlen-Lippendorf zur Kursstation des evangelisch-lutherischen Pfarrhauses Lippendorf mit der „Katharina-Luther-Kapelle“ und dem Glockenstuhl.

An der z. Z. befindlichen Baustelle erfuhren die Gäste der Kirchgemeinde Lobstädt- Neukieritzsch wie die Zeit über diesen Flecken Erde hinweg gegangen ist. Bis in das heutige 21. Jh. ist die Dominanz der Braunkohlenindustrie mit all seinen sichtbaren und unsichtbaren Spuren immer noch vorhanden. 

Wenig später erreichten die Wanderfreunde das Dorf Kieritzsch, heute ein Ortsteil der Gemeinde Neukieritzsch im Landkreis Leipzig. Freundlich und einladend, musikalisch mit einem Orgelspiel durch die Schülerinnen Annika Pabst und Celine Jöhrer umrahmt, war der Empfang an und in der barocken evangelisch-lutherischen Kieritzscher Kirche. Während der Kirchenführung konnten die Teilnehmer die beiden Luther-Medaillons bewundern. Hatten doch bewusste Dorfbewohner und der Kirchenpatron diese über die Jahrhunderte vom ehemaligen Witwensitz der Lutherin in Zölsdorf, dem Luthersaal im ehemaligen Rittergut Kieritzsch bis hin zur evangelisch-lutherischen Kirche retten können. Diese anheimelnde Atmosphäre übertrug sich auf die Wanderer, konnte man doch hier den Atem der Geschichte hautnah spüren. Vielleicht hat die Lutherin-Witwe diesen heiligen Boden im 16. Jh. sogar betreten?

Mutige wagten sogar den Ausblick vom Kirchturm. Wanderleiterin Hanka Pabst mahnte zum Aufbruch, denn der Mittagsimbiss ließ nicht auf sich warten. So ging es vorbei am aktiven Großtagebau Schleenhain mit den überbaggerten, vormals wüst gefallenen Fluren von Zölsdorf nach Neukieritzsch.

Mit großen Schritten nahmen die Wanderer, die im Jahre 1998 neu erbaute ev.-luth. Katharina-von-Bora-Kirche in Beschlag, die zugleich auch eine von 27 Stationen auf dem insgesamt 500 km langen sächsischen Lutherweg ist. Da es das Wetter gut meinte, konnte nun der Imbiss im Pfarrgarten eingenommen werden.

Im Anschluss daran hatte der Familien-Hauskreis der Kirchgemeinde thematische Kirchenführungen vorbereitet. Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, die aktuelle Wanderausstellung „Das weibliche Gesicht der Reformation“, das Leben der Katharina von Bora, die Kirchenbaugeschichte und -am Neukieritzscher Markt- die Geschichte des vor 25 Jahren umgesetzten „Luther-Obelisken“ kennen zu lernen.

Leider konnte die Wanderung auf dem LUTHERWEG über die Pleiße-Brücke, vorbei an Kahnsdorf nach Lobstädt, wegen einer Sperrung nicht gegangen werden. So wurde die Wanderung auf den rekultivierten Flächen ehemaliger Tagebaue wie Breunsdorf und Deutzen fortgesetzt. Kurz vor Lobstädt hatte die Wandergruppe auch Gelegenheit, das bergbaubedingt verlegte Flussbett der Pleiße zu überqueren, bevor der Lobstädter Ortsteil von Neukieritzsch erreicht wurde.

Leicht erschöpft und dennoch glücklich das Ziel erreicht zu haben, nahmen die Wanderfreunde das Angebot für eine Tasse Kaffee dankend an.

Für den Abschluss der 7-Seen-Wanderung hatten sich die Familien der Kirchgemeinde noch etwas Besonderes in der Lobstädter Kirche einfallen lassen. Dem Thema gerecht werdend, hatten sie ein Tischgespräch mit Katharina und Martin Luther sowie Freunden vorbereitet. In der anschließenden Andacht wurde im Jubiläumsjahr 2017  „500 Jahre Reformation“ und deren Bedeutung vergegenwärtigt - aber auch an die Bedeutung des „Innehaltens“ im täglichen Leben erinnert - wieder hingebungsvoll durch die Schülerinnen mit wohlklingenden Musikstücken auf der Lobstädter Kreuzbach-Orgel untermalt. Begeistert und beeindruckt verabschiedeten sich sogar zwei aus Berlin angereiste Wanderfreunde mit den Worten, dass sie im kommenden Jahr gern wieder kommen möchten. Im Namen des Tourismus- und des Heimatvereins des Bornaer Landes und der teilnehmenden Wanderfreunde übermittelte Gästeführerin Sabine Raabe den Akteuren herzliche Dankesworte.

 

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