Das war die 7-Seen-Wanderung 2019

Beweg Dich - ein Leitspruch, der auf den ersten Blick wenig sagt, und doch so viel mehr meint. 7023 Läufer aller Altersgruppen, mehr als je zuvor, gaben sich bei der 16. Ausgabe der 7-Seen-Wanderung die Ehre, ob als erfahrene Wiederholungstäter oder Erststarter, auf unseren Bambinistrecken rund um die Maikäfertour bis hin zu den Grenzerfahrungen der Dreiländertour XXL und der Neuseenland XXL.

Bei 74 zur Auswahl stehenden Strecken aus 4 Kategorien fand sich für jeden ein passendes Angebot. Die einen kamen, um Zeit mit Familie und Freunden aktiv in der Natur zu verbringen, manche, um die Grenzen ihrer Belastbarkeit auszuloten, und wenn möglich zu überschreiten, andere, um ihr Wissen über die Region in Verbindung mit körperlicher Betätigung bei thematischen Touren zu erweitern. Und doch einte sie wohl alle ein Gedanke: Miteinander Erfahrungen, Erinnerungen, Freude und Freunde zu gewinnen, statt gegeneinander in den sportlichen Wettkampf zu treten und dabei Kämpfe mit sich selbst und anderen zu verlieren.

Der traditionell gemeinsame Hauptstart der meisten Strecken um 18 Uhr am Freitagabend brannte sich erneut als beeindruckend verbindendes Erlebnis in die Köpfe vieler Teilnehmer und Zuschauer ein. Ob sie nun das Ziel erreichten, oder den Kilometern und dem Wetter Tribut zollen mussten, sie alle waren schon mit ihrem Start Gewinner. Auch deswegen ist die 7-Seen-Wanderung so viel mehr als ein bloßes Sport- und Wanderevent.

Es ist der Geist des Miteinander, die gemeinsame Aktivität Gleichgesinnter, die das erste Maiwochenende so besonders macht. Die 7-Seen-Wanderung ist in diesem Sinne auch ein Projekt der Inklusion, in Ausrichtung und Teilnahme gleichermaßen. So wie der inklusive Verein Columbus e.V. seit vielen Jahren wichtiger Partner bei der Organisation ist, sei es zum Beispiel bei der Bestückung der über 7000 Startbeutel oder der Beschilderung der Maikäfertour, so soll allen Menschen eine Teilnahme an der 7-Seen-Wanderung ermöglicht werden.

Die erst zum 2. Mal startende barrierefreie "Markkleeberg sinn-voll erleben" - Tour führte Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam durch die Stadt, insgesamt 7 barrierefreie Touren standen auch 2019 im Programm, ebenso wie der Begleitservice für Menschen mit Sehbehinderung.

Dieser Geist, den Teilnehmer und Helfer verkörpern, geht viel tiefer, als es oftmals scheint. Bereits vor einigen Jahren bewies dies ein Ehepaar aus Eilenburg, das bewusst bereits am Freitag, einen Tag vor ihrem eigenen Start am Samstag, anreiste, um eine Kurzstreckentour als Helfer zu begleiten und der 7-Seen-Wanderung somit etwas zurückzugeben. Eine ähnliche Situation findet sich in vielen Biografien der ehrenamtlichen Helfer von Markkleeberg bis Zwenkau, Lucka, Borna und an den vielen weiteren Kontrollpunkten im Neuseenland. Sie waren zumeist selbst "nur" Läufer, bis sie sich entschlossen, dass es auch an ihnen war, anderen diese einzigartigen Erfahrungen und wundervollen Momente zu ermöglichen. Aus der gemeinsamen Arbeit entwickelten sich über Jahre eingespielte Teams, Freundschaften und ein unerschütterliches Vertrauen in die Kollegen, sodass auch Kälte, Regen und Erschöpfung, die vielleicht schlechtesten Bedingungen der 16-jährigen Geschichte der 7-Seen-Wanderung, die erfolgreiche Durchführung nicht beeinträchtigen konnten. Seite an Seite standen Wanderer und Helfer diese Situation durch, noch auf den Strecken kamen Gelbwesten und Teilnehmer ins Gespräch, lobten das Gute und diskutierten das Verbesserungswürdige, beteiligten sich damit am immerwährenden Prozess der Entwicklung. Die Teams an den Kontrollpunkten, die Begleitfahrer und Helfer an den Start- und Zielcountern gaben den Läufern durch aufmunternde Worte, heiße Suppen oder ein einfaches Lächeln Kraft für den weiteren Weg, die Dankbarkeit der Teilnehmer den Helfer die für ihre Arbeit nötige Stärke. Sie bewegten sich gegenseitig, trotzten der eisigen Nacht und dem verregneten Tag damit gemeinsam eine weitere gelungene 7-Seen-Wanderung ab.

Den Lohn für schwere Stunden erhielten die Teilnehmer am Samstagnachmittag dann aber doch noch. Mit dem sich aufklarenden Himmel zeigte sich erstmals die Sonne, und damit hellten sich auch die Gesichter der Finisher auf, die nach strapaziösen Stunden die jetzt freundlicher anmutende Wohlfühlzone erreichten. Das Wetter lud nun doch noch zum Verweilen bei Kuchen, Nudeln und Massagen ein, und entschädigte dabei für so manche Entbehrung der letzten Tage.

Eine besondere Überraschung erlebten die Teilnehmer der Ballonfantasy-Tour am Samstagabend: Noch im Nieselregen gestartet, beeindruckten ein bunter Regenbogen sowie etwas später ein herrlicher Sonnenuntergang über dem Agrapark, womit wohl endgültig alle ihren Frieden mit dem diesjährigen Wetter schließen konnten. Und während nun Team und Helfer bereits die letzten Spuren des Wanderfestes beseitigen, waren die vielfältigen thematischen Touren noch am Sonntag im Neuseenland unterwegs und begeisterten die Wanderer mit Geschichte, Kultur und Natur.

Das positive Feedback der meisten Teilnehmer spiegelt die gelungene Arbeit des größtenteils neu formierten und jungen Organisationsteams der Sportfreunde Neuseenland um die langjährigen Köpfe der Veranstaltung, Hannes Hildebrand und Henrik Wahlstadt, wider.

Dabei ist und bleibt die Planung und Durchführung der 7-Seen-Wanderung eine logistische Meisterleistung. 1,3 Tonnen Obst, mehrere hundert Kisten Getränke und dutzende Bleche Kuchen wurden auch 2019 an die Kontrollpunkte und Zielzonen verteilt, um für das leibliche Wohl der Wanderer zu sorgen. Der Aufruf an die Teilnehmer, im Sinne der Umwelt mit eigenem Geschirr anzureisen, stellte gemeinsam mit dem Verzicht auf Plastikbecher einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zur Nachhaltigkeit dar.

Auch wenn sich der Durst der Wanderer aufgrund der Temperaturen in Grenzen hielt, erfreuten sich Obst, Kuchen, Nudeln und Suppe erneut höchster Beliebtheit. Das Meiste wurde restlos verputzt, fast alle Teller geleert. Das macht doch Hoffnung auf eine sonnigere 7-Seen-Wanderung 2020 mit neuen Rekorden.

In diesem Sinne: Wir SEEN uns 2020!

@Pascal Teubert

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