Markkleeberg sinn-voll erleben

16 Teilnehmer*innen im Alter von 7 bis 83 Jahren, mit und ohne Behinderungserfahrung fanden sich zu dieser erstmalig angebotenen Tour ein.

Als lockerer Einstieg ging es barrierefrei und bei bestem Wetter entlang des Pleißeradweges zur ersten Station – dem Gemeinschaftsgarten des KGV „an der Pleiße“ e.V. Teilnehmende am Projekt Gemeinschaftsgarten hatten bereits Kaffee, Kuchen und Getränke für die Pause vorbereitet, stellten das Projekt vor und übergaben Informationen in leichter Sprache.  Immer Mittwoch und Sonntag von 15 bis 18 Uhr lädt der Gemeinschaftsgarten zum Besuch ein. In den Sommermonaten werden monatlich Veranstaltungen angeboten welche auch in der örtlichen Presse angekündigt werden.

Mit dem nächsten Programmpunkt, der AWO Werkstatt für Menschen mit Behinderungen im Gewerbegebiet begann dann auch der direkte Einstieg in den Bereich der Selbsterfahrungen. Auf der kurzen Wegstrecke zwischen Gemeinschaftsgarten und WfbM stellten sich die ersten Teilnehmer der Herausforderung der Nutzung eines Blindenlangstockes oder der Assistenz bei der Nutzung eines Rollstuhles.

Vor der WfbM stellten dort Beschäftigte ihre Werkstatt und ihr Tätigkeitsfeld vor.
Neben vielen, für die meisten Teilnehmenden durchweg neuen Informationen über Dienstleistungen und Beschäftigungsfelder wurden im Besonderen Produkte und Dienstleistungen vorgestellt, welche in Markkleeberg präsent sind.

So wurde unter anderem erklärt welche Aufgaben die Beschäftigten im Bezug auf den Milchautomaten am Marktkauf haben und welche Produkte der Bäckerei Wendl durch die Hände der Beschäftigten gehen und somit wieder im ganzen Ort und auf den Frühstückstisch der Markkleeberg Bürger kommen. Auch hier wurde ein Infoblatt in leichter Sprache und Infomaterialien übergeben und alle Teilnehmenden zum Tag der offenen Tür am 25.10.2018 eingeladen.

Das Thema Barrierefreiheit und Mobilitätseinschränkung setzte sich dann über eine gezielt ausgewählte Wegstrecke fort.
Der fehlende Anschluss der WfbM an den ÖPNV und der damit verbundene lange Fußweg zur nächsten Haltestelle konnte so allen Teilnehmenden einmal direkt aufgezeigt werden. Für Menschen mit Sehbehinderungen und Mobilitätseinschränkungen im Besonderen, aber auch bei schlechter Witterung ist der Weg zur WfbM bei selbstständiger Anreise für alle eine Herausforderung.
Hier wird seit längeren gemeinsam der WfbM und Vertreter*innen verschiedener Institutionen bei der Regionalbus GmbH um eine Lösung geworben.

Weiter führte der Weg entlang der Seenallee über den Kaiserweg zur Wohnstätte „Katharina von Bora“ der Diakonie Leipzig. An der Überquerung der Freiburger Allee konnte noch einmal verdeutlicht werden was fehlende bzw. zu hohe Absenkungen der Bordsteine und Verkehrsinseln in der Praxis bedeuten.
Im Rahmen einer kurzen Vorstellung durch die Leiterin der Wohnstätte, Frau Lübcke wurde ein Blick in die Vielfalt der Wohnangebote gegeben. Vor Ort konnte im Rollstuhlparcours das Handling eines Rollstuhles selbst erlebt werden. Auch hier lagen Informationen in leichter Sprache vor und alle Teilnehmenden wurden herzlich zum Sommerfest des Wohnverbundes am 30.06.2018 eingeladen.

Der Weg zurück zum Stadtfest wurde ebenfalls bewusst gewählt. Wenn mehrere Menschen mit Mobilitätseinschränkungen das Stadtfest besuchen möchten ist aufgrund der begrenzten Platzkapazität der Busse trotz Haltestelle direkt vor der Wohnstätte zumeist nur die Anreise zu Fuß möglich. Alternativ kann ab der Endstelle der Linie 70 der Bus genutzt werden, wobei jedoch der barrierefreie Wiederzustieg im Markkleeberg Zentrum nicht gewährleistet ist. Wie die gute Umsetzung von Barrierefreiheit sich gestaltet konnte an der neuen Haltestelle Markkleeberg West und der zentralen Haltestelle am S-Bahnhof aufgezeigt werden. Diese verfügen über eine Anfahrhilfe, richtige Höhe und ein Blindenleitsystem. Hier konnte die Orientierung mit dem Blindenlangstock noch einmal ausprobiert werden.

Nach knapp drei Stunden endete die Tour wieder auf dem Stadtfest.

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